Druck erzeugen

Wo ist Nevada, fragt Regula. Ja, wo? Ich sehe sie auf der Bettkante sitzen und ihre Beine reiben. Bisher sassen ihre Schmerzen mehr in den Armen. Es sind nur noch kurze Momente, die sie mit mir teilt, vielleicht wird sie ja wieder ganz verschwinden. Ich weiss es nicht. Dafür ist „Erika“ (muss sie wirklich so heissen? Es sieht fast so aus) sehr präsent. Und sehr schlecht gelaunt. Ihre neue Umgebung ist deutlich unter ihrem Niveau. Erika geht mir auf die Nerven. Ich mag sie nicht. Ihr Verhalten nervt mich, beschämt mich. Trotzdem sehe ich, was dahinter liegt, darunter, warum sie nicht anders kann… Kurz, es geht mir mit ihr wie mit einem Familienmitglied. Ob sie nervt oder nicht, sie gehört zu mir. Zu meinem Leben.

Also gut.

Diesen Beitrag schiebe ich seit Tagen vor mir her, weil ich weiss, was jetzt kommt: Ich muss das Tempo steigern, denn nur so kann ich das Denken ausschalten. Mit dem Schnellboot durch die Wellen preschen, bevor sie brechen. Ich muss mich selber unter Druck setzen. Ich muss mir ein Pensum vornehmen, das ich unmöglich einhalten kann. Und es doch jeden Tag von Neuem versuchen.

Und genau dazu hab ich jetzt so gar keine Lust! Aber das ist das Einzige, was ich in dieser Phase tun kann. Ich kann es aufschieben, aber dann habe ich nichts mehr zu berichten. Ich könnte die angefangenen Hefte weglegen, das Dokument in einem Ordner versorgen, ich könnte alles einfach ein paar Wochen oder Monate liegen lassen. Wenn ich nicht diesen Blog hätte!

Ich wollte es ja nicht anders. Also tue ich es: Ab morgen schreibe ich 10’000 Zeichen pro Tag. Jeden Tag. Ob es stürmt oder schneit. Was dabei herauskommt, das weiss ich nicht. Ich werde auch keine Zeit mehr haben, darüber nachzudenken.

Mein tägliches Scheitern werde ich treu hier festhalten.

Wer steigt mit ein in mein Schnellboot? Einen Eisenbahnwagen, ein perpetuum mobile, was?

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7 Kommentare

Kommentare

  1. Gise Kayser-Gantner meint

    Tja, das macht aber schrecklich Druck, liebe Milena. Gut, dass ich in meinem Giebelplätzchen Gelegenheit habe, dem Alltag anderer Menschen zuzuschauen – falls ich denn mal den Blick heben kann vom Manuskript – denn an dieser Menschen Leben teilhaben – tja, da sehe ich eine Schranke von 10.000 Zeichen vor mir, die das ausbremst – wenn ich dies denn wirklich wollte.
    Doch einen Vorteil hat es: Ich kann mir nun zum Beispiel das Wetter herbei schreiben, wie ich es will. Denn der Himmel liefert nur schwer-graue Variationen. Aber Inga befindet sich im Sommer, demnächst wieder im Inselsommer …
    Schicke Möhre übrigens … bald ist DER Sonntag, der Schreibsonntag, der lang vorbereitete, hach wie gut! …Gise

    • Milena MoserMilena Moser meint

      @ Gise – ich meine ja nicht, euer Ziel müsse meines sein! ich überfordere mich bewusst, ich berufe mich auf meine Erfahrung… mit mir selber… Dein täglicher Wahnsinn kann ein ganz anderer sein… Bis Sonntag, ich freue mich auch!

  2. Isabel meint

    Ich habe es probiert. Mit nanowrimo. Der Schnellzug funktioniert. Definitiv. Aber ich habe nicht durchgehalten. Wenn ich die Wortzahl eingegeben hatte, rückte das Ziel, 50000 Wörter zu erreichen, in immer weitere Ferne. Das war nicht so motivierend….Immerhin..das angefangene Manuskript ist da. Ich bin auf 17000 Wörter in der Zeit gekommen, wobei ich etwas geschummelt habe – ich habe die Merit-Geschichte mit hinein geschmuggelt, weil Merit sich auch definitiv zu Wort gemeldet hat. Da war sie schon gestorben. Was Fanny, die Hauptfigur, , nicht genau wusste. Auch, was alles mit dem Erscheinen von Merit auf sie zukommen würde – Merit hat Familie. Fanny eigentlich auch, aber sie ist in den Ferien. Genauer gesagt, sie war auf einer Wanderung in den Hügeln, irgendwo in der Provence, als sie eine Schlangenhaut entdeckte. Und dann erschien Merit. Und die Geschichte nahm ihren Lauf, bis….ja bis Fanny bei Marie versackte, sie das Selbstmitleid überkam und sie eigentlich nur heim wollte zu ihrer eigenen Familie, aber es nicht konnte, weil Merit wieder erschien und sich sehr dramatisch gebärdete – wegen der verschwundenen Schwester, die als weisse Frau zu Zwecken der Grundstückspekulation missbraucht wurde, und wegen der Hinterlassenschaft des Bruders, der psychisch labil, aber hochintelligent war, und aus dem Kloster eine Formel versucht hatte, hinaus zu schleusen,,,Hilfe! Ich will mit dem ganzen merkwürdigen Familienclan nichts zu tun haben! Wo soll das hinführen! Zur Seite hat Fanny eine sehr vife französische Polizistin, sowie den Bräutigam in spe der verschwundenen Schwester von Merit – er muss sich allerdings erst von seinem Vater emanzipieren. Im Hintergrund geistert noch eine Äbtissin des Nonnenklosters (sie lebt immerhin noch), der Prior des Mönchsordens (er auch) und Dr. Silbermannn- eine Figur, bei der ich froh bin, dass sie einen Auftritt bekommen wird, weil…aber das ist eine andere Geschichtt
    e. Marie ist im Moment bei einem verkrachten Privatdetektiv, und das könnte vielleicht noch eine Liebesgeschichte geben…

    Ich höre wieder diese Stimme, Grabeston, die das Geschriebene nicht liest, aber trotzdem abschätzig betrachtet: Das willst du jetzt also auch noch: Schreiben??? Ja, ich will. Irgendwie hole ich mir die Zeit. Tgotz oder gerade wegen allem anderen, was in diesem Jahr auch noch läuft.

    Herzliche Grüsse an euch alle: es macht wirlklich Spass, eure Individualität. Und dir Milena, danke für diesen wunderbaren Blog.
    Isabel

    • Sascha meint

      Danke, liebe Milena! Ich halte mich an den Eisenbahnwagen und wer weiss, vielleicht steige ich ja irgendwann aufs Schnellboot um. :)

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