Ich bin (wieder da)

IMG_2450Sechs Wochen später und das Buch ist…. nicht fertig! Aber fast! Und so schwer es mir fällt, das zuzugeben, weil ich jahrelang und mit Überzeugung das Gegenteil behauptet habe: Autobtiographisches Schreiben hat durchaus einen therapeutischen Effekt. Grrrrrr!! In diesem, meinem Falll hat der Abstand von einem knappen Jahr zu den Ereignissen eine neue Perspektive eröeffnet. Plötzlich macht alles sinn, was im Moment willkürlich und schicksalhaft schien. Idiotische Entscheidungen, Fehlgriffe, selbst schmerzhafte Erfahrungen: Im Rückb

Das erinnert mich daran, dass eine Freundin einmal gesagt hat, ich solle mir vorstellen, mein Leben sei ein Film und ich sitze im Kino und schaue ihn auf der Leinwand an. Ein Trick, den sie in einem Creative Writing Workshop gelernt hat. Ich weiss noch wie ich sagte: „Oh Gott, ich würde rauslaufen, ist ja immer derselbe Quatsch!“ Das muss 15 Jahre her sein. Und schon das gefällt mir: Heute denke ich, interessant wie genau dieser Fehltritt dazu führt, dass… Es tut gut, das Gefühl zu haben, das eigene Leben mache halbwegs Sinn. wenn auch nur fünf Minuten lang.

Am ersten August tauchte Magdalena bei mir in Santa Fe auf. Wir feiern den ersten august immer zusammen, das ist unsere Tradition, behauptete ich: Drei Opfer machen aus einem Mörder einen Serienkiller, drei Besuche zur selben Zeit eine Tradition. Und so stellte sie ihr Wohnmobil vor meiner Türe ab und sagte: „Wir fahren in die Tent Mountains, die Zeltberge.“ – die nicht umsonst so heissen. „Ich muss aber schon jeden Tag schreiben“, warnte ich sie. „Zwei Stunden mindestens!“ Sie zuckte nur mit den Schultern. Logisch, wir wir sind Schriftstellerinnen, was sollen wir sonst tun? Meine Routine bestand aus einer Yogastunde frühmorgens, dann an den Schreibtisch im nächsten Coffeeshop. Als ich zurückkam, sass Magdalena mit ihrem Laptop auf den Knien auf meinem Gartenstuhl. Sie schaute auf und dann auf die Uhr: „Das waren aber noch keine zwei Stunden!“ Und so schreiben wir weiter und es war, als habe sie einen Schalter umgelegt. Ich schrieb immer mehr, immer länger, sechs, acht Stunden pro Tag. Alles andere verlor seinen Reiz. Nicht einmal meine Lieblingsdroge, Fernsehserien, konnten mich mehr ablenken – das erinnert mich an meinen Sohn, der früher, wenn er wirklich krank war, sagte: „Nicht mal Fernsehen hilft mehr!“ Das hiess, die Lage war ernst.

In meinem Fall: gut.

 

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Leser-Interaktionen

7 Kommentare

Kommentare

  1. Anna Esposito meint

    Liebe Milena
    Ich schreibe ja ausschliesslich autobiografische Texte und kann den therapeutischen Effekt dabei nur unterschreiben: Vom Novemberschreiben bis zu Scarlett Underground halten meine Geschichten Leib und Seele zusammen. Ich habe mich jetzt an einen Blog gewagt und bin auch (in gewissem Sinne) wieder da, weil ich mich der öffentlichen Art von Schreiben stelle und nicht nur der privaten. Aber das ist alles noch weit weg ist von Schriftstellerei und von acht Stunden ununterbrochen schreiben. Ich freue mich von Deiner Arbeit zu lesen, und zu hören, Angi und ich kommen auf den Üetzgi.

    • Milena Moser meint

      @ Anna: Auf den Uetzgi?? Nach Schwamendingen auf dem Uetzgi?? Oh Gott ich lebe wirklich schon zu lange nicht mehr in Zürich… aber ich freue mich trotzdem.

    • Hans Alfred Löffler meint

      Sie schaute hinaus und über die Siedlung, sie sah auf die andere Seite der Stadt, sie sah die Hügelkette und den blinkenden Sendeturm auf dem Uetzgi. Der Turm tröstete sie mehr als ihr alter Freund, der Mond. Der Mond war einfach da. Der Turm hingegen bemühte sich. Er war unablässig dabei, Kontakte herzustellen.
      PS: und noch bevor „DAS WAHRE LEBEN“ geschrieben war, am 4. Juni 2009 hatte ich diesen Turm fotografiert https://www.flickr.com/photos/yes2art/3595439971/

    • Milena Moser meint

      Danke euch allen! Ich find’s auch schön, wieder hier zu sein. Und Carola: Mein Leben ergibt wirklich keinen Sinn. Aber manchmal macht das eben Sinn…

  2. Carola meint

    Ach, herrlich – man merkt Dir die USA an, denn Du schreibst
    „es macht Sinn“, statt „es ergibt Sinn“ :)
    Bei mir merkten vor kurzem alle, dass ich wirklich, wirklich krank war, weil unsere Internetverbindung fast 2 Wochen in den Tiefen der Telekom verschollen war und es mir gleichgültig war.
    Symptome wie Fieber, Husten, keine Stimme, machte niemandem Sorgen, aber dass ich mich über das fehlende Internet nicht aufregte, DAS nahmen sie dann Ernst ;-)

  3. regenfrau meint

    Liebe Milena,
    schön wieder von dir zu lesen! Denn auch wenn sich kein Loch im Boden auftut und nirgends verkündet wird, dass ein Blogeintrag ausgefallen ist – deine Beiträge sind mir abgegangen! (da fällt mir ein… ich hab heute noch nicht geschrieben!)!
    lg vom Wallersee, Doris

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