Let’s talk about sex, baby …

.. let’s talk about you and me… Scheisse, das hab ich ja ganz vergessen! Sex sells, erklärt mir eine geschätzte Kollegin immer wieder, und natürlich hat sie recht. Trotzdem habe ich mich mehr oder weniger erfolgreich davor gedrückt. Sex zu beschreiben – wie zum Teufel? Wo sind die Worte dafür? Schlechter Sex, kein Problem. Peinliche Momente, Katastrophen, der müde Blick zur Zimmerdecke oder zum ohne Ton weiterlaufenden Fussballmatch auf dem Bildschirm – klar.

Alles andere? Vielleicht bin ich verklemmt – ziemlich sicher bin ich verklemmt. Eine der besten Sexszenen im Film ist für mich immer noch die in „Vom Winde verweht“ – die gänzlich übersprungene. Er trägt sie die Treppe hinauf – Schnitt – nächster Morgen. Die Sonne scheint auf ihr Bett, sie dreht den Kop, blickt aus den zerwühlten Kissen auf, ihr Gesichtsausdruck sagt alles, was zu sagen ist. Die Lücke füllt meine Fantasie.

Käme ich heute damit noch durch?

Vor allem jetzt, wo ich endlich mal eine schöne Liebesgeschichte schreibe, eine wirklich schöne Liebesgeschichte. Die wird nicht ohne Sex auskommen. Oder doch? Nevada hat sich schliesslich Brahmacharya verschrieben, sexueller Enthaltsamkeit. Aber das war im letzten Buch. Jetzt, ein paar Jahre später, nimmt ihre Krankheit einen grösseren Raum ein. Sie schränkt sie körperlich ein, befreit sie aber mental. Gerade hat sie ein pain au chocolat gegessen. Also wird sie auch Lust auf Sex haben.

Ich freu mich für sie. Und wünsche mir die richtigen Worte dafür. In manchen Kursen habe ich diese Aufgabe gegeben: eine Liebesnacht zu beschreiben. Manchmal habe ich auch mitgemacht. Die „Schatz, ich habe einen Herzinkfarkt“-Szene aus Stutenbiss ist so entstanden. Auch kein schöner Moment.

Ich mag die richtigen Worte nicht haben, aber die Bilder sind da. Ich muss sie nur aufschreiben. Der tägliche Sprung von der Schreibtischkante ins Unbekannte…. heute scheint er schwindelerregend. Ich überlege gerade, eine Flasche Absinth zu kaufen und einer grünen Fee den Schlüssel zu meinem Archiv in die Hand zu geben, da kommt mir ganz unerwartet (und doch wieder nicht) eine andere Figur zu Hilfe. Sierra, Nevadas harte, wilde Schwester. Sie verwandelt die Gesundheitsoase für Frauen, die ihre Mutter gegründet hat, in ein Puff. Auch für Frauen. Ein witziger kleiner Schlenker ganz zu Anfang. Ohne Bedeutung. Dachte ich. Genaugenommen dachte ich nicht. Weiter darüber nach. Wirklich nicht. Ich folge der Geschichte hierhin und da hin, und so vergehen Wochen, Monate, hundert Seiten,  bevor mir klar wird, was das für Nevada bedeutet. Denn Nevada wohnt ja da. In diesem Haus. An der Quelle, sozusagen. Das heisst… das heisst…

Sie wird es lernen. Und ich werde es aufschreiben.

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15 Kommentare

Kommentare

  1. Xeniane meint

    Liebe Milena Moser!

    Eine beschriebene Liebesnacht als Kursaufgabe,erleichtert atme ich auf. Es war doch zu etwas gut ,das ich nie Zeit oder Geld hatte um zu ihren Kursen in die Schweiz zu fahren. An dieser Aufgabe wäre ich verzweifelt.Ich hätte mich auch mit Geld und Zeit (Beides ist selten vorhanden) wahrscheinlichdann wegen zu hohen gewicht oder meine mangelnden Talentes nicht getraut. Trotzdem fand ich es und finde es so schade ,das diese Kurse nicht mehr stattfinden. Viele Grüße xeniana

    • Milena MoserMilena Moser meint

      @ Xeniana: doch, doch, die finden schon noch statt, einfach nicht mehr unter dem „Label“ Schreibschule…. siehe Mitte November unter „Kursen“. Und die Liebesnacht kam (versprochen!) nur in den länger dauernden Kursen und auch dort erst nach ein paar Monaten vor!
      Und danke für die Frage nach dem Talent, die nehme ich mir gleich noch einmal vor…

  2. Regula Haus-Horlacher meint

    Ich habe mir vorgenommen, an meinem heutigen freien Tag über Sex nachzudenken, aber ich bin zu müde.
    Ausserdem habe ich Migräne.
    Und Rückenschmerzen …
    ;-)

    Nur so viel:
    Graziella – es ist lange her, seit ich dein Manuskript gelesen habe, fünf Jahre, wenn ich mich nicht täusche, und du weisst, wie sehr mich deine Schilderungen damals beeindruckt, ja, begeistert haben. Ich habe weder vorher noch seither etwas Ähnliches gelesen.
    Mit deinem Blog-Beitrag hast du mich nun dazu angeregt, mich etwas zu fragen: Sind es nicht eher sinnliche Empfindungen, die du beschrieben hast, als Gefühle?
    Was sind überhaupt Gefühle? Die Hand auf meiner nackten Schulter ist ja noch kein eigentliches Gefühl, erst einmal ist sie nur warm oder kalt, rau oder weich, schwer oder leicht. Das Gefühl, das die Hand – oder der andere nackte Körper, der mit mir zusammen in einem Bett liegt – in mir auslöst, hat sehr viel damit zu tun, wem diese Hand oder dieser Körper gehört bzw. welche Einstellung der entsprechende Mensch zu mir hat. Das ist unbestritten, nehme ich an. Liebt er mich, (oder ist er mir zumindest wohlgesinnt) oder ist er aus irgendwelchen Gründen der Meinung, er habe das Recht Ansprüche an mich zu stellen?
    Aber wie finde ich heraus, ob mich jemand wirklich liebt?
    Und was ist das überhaupt „Liebe“??

    • Regula Haus-Horlacher meint

      Huch, das sieht ja gedruckt ein wenig krass aus … das wollte ich nicht. Ist aber auch ein heikles Thema!!
      Hier nochmal in unpersönlicherer Form, damit keine Missverständnisse aufkommen:

      Was sind überhaupt Gefühle? Die Hand auf einer nackten Schulter ist ja noch kein eigentliches Gefühl, erst einmal ist sie nur warm oder kalt, rau oder weich, schwer oder leicht. Das Gefühl, das die Hand – oder der andere nackte Körper – in einem auslöst, hat sehr viel damit zu tun, wem diese Hand oder dieser Körper gehört bzw. welche Einstellung der entsprechende Mensch zu einem hat. Das ist unbestritten, nehme ich an. Liebt er einem, (oder ist er einem zumindest wohlgesinnt) oder ist er aus irgendwelchen Gründen der Meinung, er habe das Recht Ansprüche an einem zu stellen?
      Aber wie findet man heraus, ob einem jemand wirklich liebt?
      Und was ist das überhaupt „Liebe“??

  3. Graziella meint

    Sex beschreiben, es geht nicht darum Sex zu beschreiben, sondern die Gefühle, die er auslöst. Eine Hand auf der Schulter, ein Blick, die Wärme nackter Haut – es geht um Gefühle, die sich jenseits von den alltäglichen Wertungen und Einteilungen bewegen. Das macht es vielleicht schwer, aber Milena es ist zu schaffen.
    Lieber Gruss einer frisch Verheirateten

  4. Karin meint

    Viel Glück, mir gelingen Sexszenen nie. So sicher wie bei mir in jeder Weihnachtsgeschichte das Fondue brennt, gleitet alles sexuelle ins Lächerliche oder Verstörende ab.
    Mag aber auch dran liegen, dass ich beim Lesen gar nicht gerne so explizit habe. Viel Raum für Fantasie soll da sein.
    Du hast recht, diese Vom Winde verweht Szene, ist mit Sicherheit eine der eroitischten der Filmgeschichte. Da kriege ich bei jeder Wiederholung weiche Knie. Bin sehr gespannt, wie du da klar kommst.
    Alles Liebe KArin

    • BurgerTrice meint

      Liebe Milena, jetzt kommt sie mir wieder in den Sinn, die Liebesnacht-Geschichte, *John*, die ich damals in der SchreibKraft geschrieben hatte. Sie ist mir damals einmalig gelungen und ich glaube, wirklich nur ein Mal ! Ich wüsste nicht, wie ich eine zweite beschreiben könnte, ohne dass sie ins Lächerliche absacken würde. — Stimmt auch, ganz ganz selten hatte mich eine beschriebene Liebesszene wirklich fasziniert. — Doch, kürzlich im Roman von Doris Knecht *Gruber geht*: Auf einmal ist sie da ( S. 90 ) …… Die fand ich gut. — Aber du wirst sie auch schaffen, Milena, auf deine Weise, und die wird dir sicher hautnah gelingen …….! — Ich versuche mich jetzt auch an eine für mich prickelnde FilmLiebesSzene zu erinnern: Das war in *La Délicatesse*. Wunderbar, wenn endlich die Erlösung stattfindet, und die ganze Spannung und die Kleider abfallen dürfen in einer Ambiance der Geborgenheit. Da waren auch keine langatemnden Bilder, sondern auch nur der morgendliche Sonnenstrahl auf der Bettdecke …….
      Ich wünsche dir in deinem Roman die treffensten Worte die es gibt und bin natürlich gespannt …… Uiiii, bei dieser Gelegenheit lockt es mich jetzt sogar, nochmals etwas * LiebesNachtPrickeldes* aufs Papier zu bringen ……
      Viel Glück wünsche ich allen, die es ebenfalls versuchen ….
      BisousBéa

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