Wir Hobbyschreiber.

Ist das nicht ein tolles Bild? Und was für eine Erfindung: The Hobbyhorse Hairdryer. Brilliant. Überhaupt eines meiner Lieblingswörter, zumindest der englischen Sprache: Hobbyhorse. Gampfiross. Da kommt auch der Begriff Hobby her. Steckenpferd. Klar.

Ein Hobbyhorse reitet man nur zum Spaß, an einem verregneten Sonntagmorgen, auf Strumpfifüßen über den Wohnzimmerteppich. Nicht von A nach B, nicht um riesige Viehherden herum, nicht über mit roten Streifen bemalte Hindernisse, nicht an allen anderen vorbei und über die Ziellinie hinaus.

Nein, auf dem Hobbyhorse zu reiten, ist viel besser! Da kommt einem die Realität nicht in die Quere, und die Schwerkraft hat auch nichts zu melden. Da passt sich die Landschaft den eigenen Wünschen an, man springt über Rosenhecken statt über Holzbalken, man treibt Bankräuber zusammen statt Kälber und rettet den einen oder anderen Prinzen vor einem Schicksal, schlimmer als der Tod….

Ein Hobby ist also etwas Tolles. Doch in letzter Zeit höre ich den Begriff vor allem im Zusammenhang mit Schreiben, und immer mit einem traurigen Unterton, einer Mischung von Mutlosigkeit und Scham. „Es ist ja nur ein Hobby“, sagen die Schreibwilligen, die Schreibmutigen, mit denen ich mich jetzt wieder regelmäßig austausche. Ganz so, als sei das etwas Schlechtes. Natürlich kommt das meist daher, dass sie das aus ihrem Umfeld so gehört haben: „Ach, Schreiben willst du also, soso. Hast du denn schon ein Buch veröffentlicht? Nein? Dann bist du also auch einer dieser Hobbyschreiber!“

Als sei das etwas Ehrenrühriges.

Und komisch, jemand der verkündet, er wolle ein Instrument lernen, kriegt das nicht zu hören: „Klavier, soso! Und wann trittst du in der Tonhalle auf? Oder bist du nur so ein Hobbyklimperer?“ Das Schreiben scheint mit besonderen Ansprüchen und Anforderungen verbunden, die mir persönlich noch nie eingeleuchtet haben.

„Na und?“, antworte ich dann unverdrossen. „Ich bin auch ein Hobbyschreiber. Who cares!

„Ach was!“ Ich zucke mit den Schultern. Klar, ich habe zweiundzwanzig Bücher veröffentlicht. Aber kann ich vom Schreiben auch leben? Sorry, nein. Wenn das also ein Kriterium ist… Check. Ein Hobby ist etwas, das man gerne tut. Lieber als alles andere. Check. Etwas, das man auch tut, wenn man nicht dafür bezahlt oder gelobt wird. Check, check, check … und schon lächeln die Gesprächspartner wieder.

Andererseits habe ich mich als 18jährige in einem Hotel als „Schriftstellerin“ eingetragen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt weder ein Buch veröffentlicht, noch, ähem, geschrieben hatte. Ich trug zwar immer eines dieser chinesischen Notizbücher mit mir herum, schwarz mit roten Ecken, die ich mit endlosen Gedankenschlaufen und sporadischen Gedichtzeilen füllte. Doch es würde noch etwa drei Jahre dauern, bis ich meinen ersten, bis heute unveröffentlichten Roman schrieb, und acht, bis ich mein erstes, im Eigenverlag veröffentlichtes Buch in den Händen hielt. Und trotzdem. Da stand ich, in einer fremden Stadt, an einer Hotelréception und trug mich ins Register ein. Als Schriftstellerin. Meine Mutter, mit der ich damals unterwegs war, erzählte diese Geschichte immer mit einer Mischung aus Bewunderung und Irritation. Woher hatte das Mädchen bloss dieses Selbstbewusstsein?

Selbstbewusstsein? Das hatte ich nicht, Freunde. Ich hatte nur die Gewissheit: Das ist das, was ich will. Das ist das, was ich mache. Ich schreibe, also bin ich.

Schriftstellerin, Hobbyschreiberin. Who cares.

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2 Kommentare

Kommentare

  1. Milena MoserMilena Moser meint

    Liebe Doris
    Was man sich nicht alles anhören muss! Ich find eben, das schliesst sich nicht aus, im Gegenteil, das gehört zusammen: Dass man ernsthaft aus Spaß an der Freud schreibt.
    Hauptsache: weiter.
    Herzlichst, Milena

  2. regenfrau meint

    Liebe Milena,
    ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich denn nicht vorhabe mal „ernsthaft“ zu schreiben. Da war ich dann doch kurz verdaddert.
    Aber dann habe ich geantwortet, dass ich lieber weiterhin aus Spaß an der Freude weiterschreiben werde, weil genau dafür mach ich das ja.

    Liebe hobbyistische Grüße, Doris

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